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- Wissen aktuell -

Giftiger Methusalem
 

Die Eibe – zwischen Leben und Tod

 
 

Tod und Leben liegen bei der Gemeinen Eibe sehr eng beieinander. Als immergrüner, sehr langsam wachsender Nadelbaum kann sie bis zu 2000 Jahre alt werden. Sie kann aber auch den Tod bringen, denn bis auf das süße rote Fruchtfleisch sind alle Teile der Eibe stark giftig. Die Eibe kann jedoch auch das Leben bringen, denn aus der Eibe werden schulmedizinische Medikamente beispielsweise zur Krebstherapie hergestellt.

 

 

Botanik und Bestimmung

Die immergrüne Gemeine Eibe (Taxus Baccata) wächst baum- oder strauchartig und extrem langsam. Ihre flachen  Nadeln sind etwa 2 mm breit und 20 bis 30 mm lang. Sie glänzen auf der Oberseite, die Unterseite ist matt.

 

Die Eibe ist normalerweise zweihäusig, das heißt männliche und weibliche Blüten wachsen auf unterschiedlichen Bäumen. Die eingeschlechtlichen Blüten zeigen sich ab März und sind sehr unscheinbar: die männlichen 4 mm großen stehen als weiß-gelbliche Kätzchen auf den Ästen, die weiblichen nur 2 mm großen Blüten sitzen auf braunen schuppigen Stielen.

Die roten Früchte enthalten den giftigen Samen, werden etwa erbsengroß und bilden sich ab August. Bis auf das rote Fruchtfleisch sind alle Pflanzenteile der Eibe stark giftig. Besonders auch die Samen, die vom Fruchtfleisch umgeben ist. Deshalb sollte man das wohlschmeckende Fruchtfleisch lieber nicht essen, weil beim Verschlucken oder Zerbeißen des Samens die Gefahr einer Vergiftung besteht. Trotz ihrer Giftigkeit werden Eiben gerne in Gärten und Parks angepflanzt.

 

Vorkommen und Verbreitung

Die immergrüne Eibe wächst extrem langsam kann ein sehr stattliches Alter von 1000 bis 2000 Jahren und eine Wuchshöhe von bis zu 15 m erreichen. Sie wächst in Mittel-, West- und Südeuropa natürlich in Wäldern bis zu Höhenlagen von 1200 m. Unter –20 °C ist die Eibe frostempfindlich. Als Methusalem im Pflanzenreich symbolisiert die Eibe die Ewigkeit sowie Leben und Tod, weshalb sie auch auf Friedhöfen gerne gepflanzt wird.

In ihrem natürlichen Lebensraum steht der Nadelbaum unter Naturschutz, denn die Gemeine Eibe ist durch intensive Nutzung selten geworden und stark gefährdet. In Deutschland ist die Eibe nur noch in wenigen Wäldern zu finden. Als Zierpflanze wird sie in Anlagen, Gärten und auf Friedhöfen gepflanzt. In der französischen Gartenkunst war die Eibe sehr beliebt, da sie sehr gut in Form geschnitten werden kann.

Gifte und Gefahren

Alle Pflanzenteile außer dem Fruchtfleisch enthalten das lebensgefährliche Gift Taxin. Vergiftungssymptome sind Übelkeit, Schwindelgefühl, Bewusstlosigkeit und schließlich Tod durch Atemlähmung. Selbst der Schleifstaub, der bei der Bearbeitung von Eibenholz entsteht, kann zu leichten Vergiftungserscheinungen wie Kopfschmerzen, Reizungen der Atemwege und allgemeinem Unwohlsein führen.  Auch für Nutz- und Haustiere, wie Rinder, Hunde, Katzen und Vögel, ist die Eibe giftig.

Grad der Gefährlichkeit

In den Nadeln und in den Samen befindet sich das stark giftige herzwirksame Alkaloid Taxin in hoher Konzentration. Wenn Nadeln oder mehr als zwei zerkaute Samen oral aufgenommen wurden, sollte entgiftet werden. Bei kleinen Mengen wird hierzu wiederholt Aktivkohle gegeben und eine Magenentleerung empfohlen. 

Die Symptome einer Vergiftung zeigen sich durch Mundtrockenheit, Rotfärbung der Lippen, Pupillenerweiterung, Blässe, Übelkeit, Leibschmerzen, Schwindel, Diarrhoe, Herz- und Kreislaufstörungen, Leber- und Nierenschäden sowie durch Krampfanfälle die bis zum Tod führen können.

Vergiftung, was tun?

Bei starken Symptomen in jedem Fall sofort einen Arzt aufsuchen, gegebenenfalls mit dem Notarzt in eine Klinik einliefern lassen. Zur schnellen Selbstbehandlung und bei geringer Giftaufnahme ist eine Giftentfernung mit der wiederholten Gabe von medizinischer Kohle sowie Magenentleerung angezeigt.

Giftpflanze mit Heilwirkung

Anfang der 1980er Jahre fand man heraus, dass man aus der rotbraunen Eibenrinde Paclitaxel gewinnen kann, ein hochwirksames Medikament, das als Chemotherapie gegen verschiedene Krebsarten eingesetzt wird. Die Gewinnung ist jedoch schwierig und die Nachfrage sehr hoch, weshalb die Substanz nun synthetisch hergestellt wird. 

   Gut zu wissen

 

Die Gifte der Eibe sind schon seit vorchristlichen Zeiten bekannt. Sie wurden zur Abtreibung, für Morde sowie für Selbstmorde benutzt. Auch ist viel Vieh an einer Vergiftung durch Eiben verendet, wenn es Pflanzenteile gefressen hatte. Doch auch das Holz der Eibe war sehr begehrt. Denn es eignet sich perfekt für den Bau von Bögen – zum Schießen von Pfeilen. Diese Nutzung seit mehr als 10.000 Jahren erklärt auch, warum der langsam wachsende Baum in Europa so selten geworden ist. Eibenholz wurde damals und auch heute noch für die Herstellung von Sportbögen verwendet.

Der botanische Name »Taxus« leitet sich vom griechischen Wort »toxon« für »Bogen« ab. Ganze Armeen wurden mit Eibenbögen ausgestattet. Der intensive Handel mit Eibenholz wurde erst mit der Einführung der Faustfeuerwaffe im 17. Jahrhundert eingestellt.

Für Pferde, Esel und Schafe ist die Eibe sehr giftig. Allerdings verbeißen Reh- und Rotwild Eiben gern und ohne Schaden. Deshalb wird vermutet, dass geringe Mengen des Giftes den Tieren gegen Magen- und Darmparasiten helfen. Früher wurden mit dem gefährlichen Gift der Eiben auch Abtreibungen vorgenommen und manche Frau wurde dabei aus Versehen vergiftet.

Quelle: PZ- Pharmazeutische Zeitung

 
 
 
 

 

 

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